Dominica – Neubeginn nach dem Hurrikan

Erstellt von Christiane, 22. Dezember 2020, in Dominica, Kleine Antillen

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Sommer 2018: Landeanflug auf Dominica. Ich mag die kleine Insel und ich habe Angst, sie 10 Monate nach dem verheerenden Hurrikan „Maria“ in desolatem Zustand zu sehen. Gut, dass ich nicht am Fenster sitze.

Ankunft

Was mir nach der Landung sofort auffällt, sind die fehlenden Bäume links und rechts der Landebahn. Sie hat der Sturm einfach weggeknickt wie Streichhölzer. Schnell gehe ich mit den anderen ins Flughafengebäude. Als ich mit Gepäck in der Hand auf der anderen Seite wieder herauskomme, ist es wie früher: Viele freundliche Taxifahrer, die mich hinfahren würden wo immer ich hin möchte. Ich lehne freundlich ab, denn Annette, meine Gastgeberin vom Tamarind Tree Hotel hat Paul geschickt. Er nimmt meinen großen Koffer und wir gehen zum Auto. Vor uns liegt eine 1,5-stündige Fahrt quer über die Insel in der langsam aufkommenden Dämmerung.

Es sieht anders aus

Das Grün links und rechts der Straße ist wieder üppig wie eh und je aber wenn man hoch in die Gipfel schaut, dort fehlt es. Die Bergkuppen sind braun. Man kann durch den früher dichten Wald „hindurchschauen“ und staunt, wo überall Häuser stehen, die man früher, verdeckt von üppigem Grün nicht sehen konnte. Mit Paul, der sichtlich erfreut ist, dass ich die Insel kenne, tausche ich mich über das „Früher“ und das „Hier und Jetzt“ aus. Ich erfahre von ihm, wie schwer die Insel immer noch mit den Folgen von „Maria“ ringt. Strom gibt es wieder, aber in begrenztem Umfang, Telefon und Internet ebenso. Straßen und Brücken werden wieder aufgebaut.

Die Menschen erzählen

Dann sind wir bei Annette im Tamarind Tree Hotel. Es ist so schön, sie wiederzusehen und auch zu sehen, dass das Hotel in großen Teilen wieder funktionstüchtig ist. Strom gibt es im Moment nur am Tag. Nachts bis in die Morgenstunden liefert ihn ein Aggregat. Für die Klimaanlagen der Superior Zimmer im ersten Stock reicht er nicht. Aber ich mag die Standard Zimmer mit den Lamellenfenstern und den Geräuschen des Meeres und der Nacht mitten im Zimmer eh viel lieber.

Auf der Terrasse mit Blick auf das Meer gibt es viel zu erzählen. Später fahren wir nach Mero, ein kleines Nachbardorf an Strand und Meer. In InDee's Beach Bar gibt es kreolisch zubereitet lecker Fisch und ein karibisches Radler. Und dazu jede Menge Neuigkeiten aus dem Ort, Erzählungen aus der Zeit gleich nach dem Sturm. Dankbarkeit gegenüber Ärzten und Schwestern aus Cuba, die geholfen haben, gegenüber den Bauarbeitern aus China, die die lebensnotwendigen Brücken über die vielen Flüsse der Insel flicken oder neu bauen.

Ein Neuanfang für Mensch und Natur

Während des Frühstücks am kommenden Morgen, mit dem man ein ganzes Bataillon satt bekommen hätte, lässt mich Annette wissen, dass ich bis Mittag frei habe. Dann hat sie Zeit für mich. Ich gehe hinunter ans Meer. Dort hat der Hurrikan im vergangenen Jahr einen Strand angespült. Den laufe ich entlang bis zur Mündung des Macoucheri River. Zum Durchwaten fehlt mir der Mut und so suche ich mir einen bequemen Stein zum Hinsetzen, Lesen und Schreiben. Später auf dem Rückweg finde ich den Weg nach oben zur Straße nicht mehr. Harald von East Carib Dive, den ich zufällig treffe, hilft mir aus der Verlegenheit. Vorher muss ich noch mit zu Beatrice, seiner Partnerin. Wir trinken einen Kaffee und die beiden erzählen mir, dass sie nach dem Hurrikan eigentlich aufgeben wollten, dann aber doch allen Mut zusammengenommen und noch einmal bei Null angefangen haben.

Wanderwege und Landwirtschaft

Am Nachmittag bin ich mit Annette unterwegs. Wir laufen ein Stück des 11. Segments des Waitukubuli Wanderweges entlang. Er führt in 14. Abschnitten über die gesamte Insel. Durch den Sturm war er komplett verschüttet. In monatelanger Arbeit haben Annette und Stefan mit vielen freiwilligen Helfern den vom Hotel „adoptierten“ Abschnitt wieder begehbar gemacht und pflegen ihn weiter. Zum ersten Mal habe ich auch Zeit zu sehen, wie Landwirtschaft auf einer so bergigen kleinen Insel funktioniert. Jedes ein wenig ebene Stück Land wird genutzt. Die Sorge, dass das fehlende Blätterdach der nun fehlenden Wälder den Boden austrocknen lässt, erwies sich als unbegründet. Viele Pflanzen, denen es unter dem Blätterdach an Licht fehlte, breiten sich nun aus und sorgen für ein weniger hohes aber üppiges Grün. Die erste Obst- und Gemüseernte nach dem Sturm steht bevor. Bald gibt es wieder Mangos und Ananas…

Zwei Jahre später

Die Natur hat sich erholt. Das üppige Grün reicht wieder weiter hinauf. Vieles ist wieder aufgebaut. Jetzt ist es Corona, das die Menschen abhält, die Insel zu besuchen. Aber es gibt ein gutes Konzept, dass für alle, die Ruhe brauchen und Natur mögen, einen Besuch hier möglich macht. Lediglich ein negativer PCR-Test, nicht älter als 72 Stunden, ist das, was man mitbringen muss.

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